ENGLISH

UPDATE (27. Juli 2009)

Herzlichen Dank an alle GestalterInnen für Ihre vielfältigen Beiträge!

Die Jury hat aus den eingesendeten Arbeiten 10 ausgewählt, die in der Presse am Sonntag publiziert werden. Besonders diskutiert wurde einerseits der Aspekt, was wir als Gestalter aktiv tun können, um die Gesellschaft durch Design mitzugestalten – andererseits welche aktuellen gesellschaftichen Themen aufgegriffen werden können.

Wir hoffen, mit unserem Aufruf Anregungen zur weiteren Auseinandersetzung gegeben zu haben.

Liste der ausgewählten Arbeiten (PDF)

Jury:

Univ.-Prof. Oliver Kartak
Klasse für Grafik Design
University of Applied Arts Vienna

Univ.-Prof. Dr. Helmut Leder
University of Vienna
Head of Department of Psychological Basic Research
Faculty of Psychology

Dr. Sabine B. Vogel
Kunstkritikerin, Dozentin für Kunstgeschichte
University of Applied Arts Vienna

Mag. Ulrike Weiser
Redakteurin
Tageszeitung „Die Presse“

----------------------------------------------------

UPDATE (21. Mai 2009)

auf unseren Aufruf sind 107 Arbeiten von Ohio bis Tirol eingelangt, alle sind derzeit im Forum Mozartplatz in Wien ausgestellt. In den nächsten Tagen wird die Jury neun Arbeiten auswählen, die in der Presse am Sonntag ab Ende Mai ganzseitig publiziert werden. Alle Arbeiten stehen online, können diskutiert und online bewertet werden.

Wir haben die intensive Teilnahme genutzt, um den Diskussionsprozess um gesellschaftlich relevante Gestaltung und die Rolle der DesignerInnen weiterzuführen. Die wichtigsten inhaltlichen und gestalterischen Ansätze haben wir zum Anlass genommen, weitere Gestalterinnen und Gestalter einzuladen, zu diesen Aspekten gezielt Arbeiten zu entwerfen. Diese und die Beiträge aus der ersten Phase werden gemeinsam in einer Publikation im Herbst diesen Jahres veröffentlicht, dazu ist auch eine Podiumsdiskussion an der Universität für Angewandte Kunst in Wien geplant.

Die Publikation wird neben den Arbeiten den weiterführenden Dialog in der Community und am Podium enthalten. Genaue Angaben über Zusammensetzung der Jury und der Podiumsdiskussionsteilnehmer demnächst an dieser Stelle. Wir danken allen aktiven Gestalterinnen und Gestaltern für Ihre Beiträge und berichten weiterhin über den aktuellen Stand der Dinge.

----------------------------------------------------

EINREICHUNGEN ONLINE (15. Mai 2009)

Alle eingesendeten Arbeiten sind ab sofort unter „Einreichungen“ abrufbar. Zudem gibt es eine Voting- und Kommentarfunktion. Wir hoffen auf rege Beteiligung!
In Kürze wird die Jury die Arbeiten für „die Presse“ zusammenstellen (unabhängig von der Voting-Funktion). Nähere Informationen dazu demnächst hier auf dieser Website!

----------------------------------------------------

UPDATE (29. April 2009)

Einreichzeit für Arbeiten verlängert!
Einsendung bis Donnerstag, 7. 5. 2009

Unserem Aufruf sind mittlerweile viele DesignerInnen aus der ganzen Welt gefolgt und haben Vorschläge und Ideen mit einer großen Vielfalt eingesendet. Es gab darunter auch kritische Töne und berechtigte Einwände über Sinn und Zweck eines solch offenen, breit gefassten Aufrufes.

Uns geht es um Veränderung der Realität durch die Veränderung der Wahrnehmung. Können visualisierte Ideen, die neue Möglichkeiten aufzeigen, auf eingefahrene Verhaltensmuster hinweisen oder substanzielle Kritik am Bestehenden üben, Türen öffnen und ein neues Bild der Wirklichkeit erzeugen? Oder ist es im Gegenzug vielmehr so, dass substanziell nur derjenige verändert, der in seiner täglichen Arbeit seine Ideen in konkreten Aufträgen in die Tat umsetzt?

Wir wollen möglichst viele Ideen in der Bandbreite von Utopie bis Pragmatismus versammeln und einer breiten Öffentlichkeit jenseits der abgeschlossenen Designer Community zugänglich machen.

Dass KommunikationsdesignerInnen die Welt verbessern können, trifft wohl kaum zu, sie sind aber als eine der wenigen Berufsgruppen in der Lage, Ideen rasch und treffend zu visualisieren. Sie nutzen dieses Potential für ihre eigenen Anliegen viel zu wenig. Von außen – von Nicht-Gestaltern – wird dieses Potential kaum reflektiert, vielleicht weil GestalterInnen persönlich viel zu selten die Stimme erheben. Unser Aufruf kann im besten Fall auch das sichtbar machen.

Alle(!) eingesendeten Arbeiten werden ausgestellt, publiziert, um den Querschnitt und die Vielfalt an Lösungsansätzen und Überzeugungen zu zeigen. Dazu gehören u.a. auch „schlechte“ Arbeiten, versteckte PR, Werbung, Kritik an der Sache selbst und vieles mehr.

Die erwähnte Jury spielt eher eine Nebenrolle. Sie selektiert lediglich die aus ihrer Sicht besten Arbeiten für die Tageszeitung „die Presse“, da dort leider nur einige Arbeiten publiziert werden können.

Nicht wir, sondern die Arbeiten sollen konkrete Ansatzpunkte aufzeigen, über die sich im Anschluss diskutieren lässt. Wir bieten das Forum, in dem sich ein möglicher Diskurs entwickeln kann. Wir wollen die Aktion nicht in eine bestimmte Richtung lenken, sondern ihr Eigendynamik und Eigenständigkeit zugestehen. Dazu gehört auch die Diskussion, den Sinn unserer Aktion gänzlich in Frage zu stellen.

Die Diskussion darüber – ähnlich rund um das Manifest first things first – 1964 und bei der Neuauflage 2001, an der sich viele prominente Designer beteiligt haben, ist wichtiger Teil und ruft nach einer Fortsetzung. Wir planen eine gemischte Diskussionsrunde, wo nicht nur Gestalter zu Wort kommen können. An weiteren Ideen, wie sich ein möglicher Diskurs u.a. in der Ausstellung und auf der Website fortsetzen lässt, arbeiten wir zur Zeit.

in diesem Sinne freuen wir uns auf diskursive und pointierte visuelle Beiträge bis zum 7.5.

Erwin K. Bauer

----------------------------------------------------

First things first.

In den Wirtschaftswunderjahren der 60er Jahre schien der Glaube an grenzenlosen Konsum unerschüttert. Doch 1964 verfassten 22 bedeutende Londoner Grafik Designer um Ken Garland das wegweisende Manifest „First things first“. Hundefutter, Waschpulver und Kreditkarten mit effizientem Design zu bewerben sei nicht genug, soziale Verantwortung müsse im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen. Statt dem Einerlei einträglicher Werbejobs solle ein Umdenken beginnen.

Außer einem kurzen Aufhorchen in der Designerszene passierte nicht viel. Die kritische Energie verpuffte im lukrativen Tagesgeschäft mit der Werbewirtschaft. Steigende Absatzzahlen durch perfekte Zielgruppenadressierung und die Stilisierung der Marken als neue Leitidole unserer Konsumgesellschaft geben der Entwicklung scheinbar Recht.

Jetzt scheint der Höhepunkt überschritten, „die Krise“ bietet, was kaum für möglich gehalten wurde: Eine Atempause lang stellt sich erneut die Frage, ob diese Aufträge tatsächlich die einzige Aufgabe von Graphik Designern sind. Superstars wie Stefan Sagmeister fragen sich schon seit einiger Zeit „Was braucht die Welt wirklich?“ Sagmeister erfindet eine Roadshow mit aufblasbaren Infografiken, wo er die Rüstungsausgaben den Bildungsinvestitionen der USA gegenüberstellt. Seit Jahren tourt der Action-Bus durch das Land, um für ein anderes Bewusstsein und Gelder für eine sinnvollere Zukunft zu werben.

Viele von uns spüren dieses tiefe Unbehagen, initiieren eigene Projekte und suchen die Befreiung aus der verführerischen Umarmung von Marketing und Werbung. In unserer globalen Welt liegt eine der großen Herausforderungen darin, Kommunikationsbarrieren zu minimieren und Verständnis zu maximieren. Unsere Aufgabe sehen wir darin, brisante soziale, politische und ökologische Zusammenhänge aufzuzeigen und klarer zu visualisieren. Wir sitzen an der Schnittstelle, wo Fakten und Strukturen in verständliche Botschaften verwandelt werden und entscheiden gezielt mit, was sichtbar und erlebbar wird. „Eines nach dem anderen“ lautet der Titel des Manifests von 1964. Heute gilt es, eines im anderen zu tun: denn in jedem Auftrag kann eine dieser gesellschaftsrelevanten Aufgaben stecken.

Erwin K. Bauer

IMPRESSUM